Unterwegs im Kiez: Wo Sport verbindet – und wo es eng wird
Sport ist viel mehr als nur Bewegung. Beim Sport kommen Menschen zusammen, unabhängig von Herkunft oder Sprache. Beim Sport entstehen Orte für Gemeinschaft, man lernt Teamgeist und Verantwortung füreinander zu tragen.
Gleichzeitig ist klar: Sportangebote – egal ob in der Schule, in Vereinen oder Freizeitgruppen – funktionieren nicht selbstverständlich und sind auf gute Rahmenbedingungen angewiesen. Es braucht Sportplätze und Hallen, in denen trainiert werden kann und viele Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren.
Genau darüber bin ich an meinem Thementag Sport mit den Menschen in Berlin-Mitte ins Gespräch gekommen, um mir ein aktuelles Bild zu machen. Denn schon 2023 war ich zum Thema Sport unterwegs. Seitdem hat sich vor Ort einiges zugespitzt: Die Nachfrage steigt, aber die Strukturen kommen oft nicht hinterher.
Eine Bühne für alle
Zwischen den Uferhallen und den Uferstudios führt ein Tor in einen alten Fabrikhinterhof. Drinnen: hohe Decken, Matten, Seile – und plötzlich stand ich mitten in einem riesigen Akrobatik-Zentrum, dem Zuhause vom Circus Sonnenstich. Hier trainieren Künstler*innen mit und ohne Trisomie 21 gemeinsam. Es war laut und es wurde viel gelacht. Es geht hier nicht darum, „mitzumachen“, sondern vor allem darum, wie selbstverständlich dazuzugehören. Für viele ist dieser Ort ein fester Teil ihres Alltags, fast so etwas wie ein zweites Zuhause.
Im Gespräch erzählte mir Sol, dass dieser Ort für sie ein echter Lebensmittelpunkt ist. Hier kommt Bewegung und Kunst zusammen: Es geht für sie darum, sich auszudrücken, gemeinsam etwas zu erleben und sich miteinander verbunden zu fühlen. Auch Wohnen war ein großes Thema – viele leben noch bei ihren Eltern, weil es oft schwer ist, eine Wohnsituation zu finden, in der sie sich wirklich wohlfühlen und selbstbestimmt leben können.
Zwischen Teamgeist und Aufnahmestopps
Ein paar Kieze weiter, auf dem Fußballplatz in der Invalidenstraße, trainieren zwei Mädchenmannschaften vom SV Blau Weiss Berolina Mitte. Was mir hier schnell klar wurde: Ohne Ehrenamt wird’s eng. Die beiden Jugendtrainerinnen Charlotte und Leonie stehen nach der Schule auf dem Platz, unterstützen das Training, planen Übungen und zeigen, wie’s geht.
Ich habe erfahren, dass es auch hier Aufnahmestopps und Wartelisten gibt. Wenn man sieht, mit wie viel Energie und Spaß die Mädchen dabei sind, überrascht das nicht. Die Nachfrage ist hoch, aber an den Rahmenbedingungen hakt’s: zu wenig Platz, zu wenig Zeiten, zu wenig Kapazitäten. Am Ende bedeutet das, dass nicht alle mitmachen können. Und genau hier müssen wir politisch ansetzen. Was die Mädchen sich außerdem für Mitte wünschen? Besseres Schulessen und sichere Fahrradwege, um gut zum Training zu kommen.
Was ich aus dem Tag mitnehme
Sportvereine leisten jeden Tag unglaublich viel – für Gemeinschaft, Teilhabe und den Zusammenhalt im Kiez. Damit das so bleibt, brauchen sie bessere Rahmenbedingungen: mehr Orte zum Trainieren, verlässliche Zeiten und Unterstützung für das Ehrenamt. Genau diese Eindrücke nehme ich mit in meine parlamentarische Arbeit.


