12-Stunden-Dienste, Personalmangel, hohe psychische Belastung – und trotzdem so viel Wärme und professionelle Hingabe. 

130.000 Menschen arbeiten in Berlin in der Pflege. Viele von ihnen in Berlin-Mitte: In unserem Bezirk finden sich mehrere große Krankenhäuser, dutzende stationäre und ambulante Einrichtungen sowie drei Hospize. Einige davon habe ich gemeinsam mit Silke Gebel MdA an meinem Thementag Pflege im Oktober besucht. 

Psychiatrische Pflege im St. Hedwig-Krankenhaus 

Auf der psychiatrischen Station des St. Hedwig-Krankenhauses habe ich mit Pflegerinnen und Pflegern gesprochen, die täglich Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen begleiten. Eine zentrale Herausforderung: Viele Patient*innen werden immer wieder in die stationäre Versorgung aufgenommen – nicht, weil sie akut medizinische Hilfe benötigen, sondern weil sie beispielsweise ihre Wohnungen verlieren und es an sicheren Schlafplätzen speziell für psychisch erkrankte wohnungslose Menschen fehlt. Ein Lösungsansatz: Der Ambulante Psychatrische Pflegedienst der Alexianer begleitet psychisch-erkrankte Menschen bereits im wohnlichen Umfeld. 

Selbstbestimmt leben in Senioren-Wohngemeinschaften 

Ein besonderes Wohnmodell lernte ich in einer Senioren-WG in der Chausseestraße kennen. Berlin zählt inzwischen über 700 solcher Wohngemeinschaften. Acht demenzerkrankte Menschen leben dort gemeinsam und werden rund um die Uhr von einem Pflegedienst begleitet. Beeindruckt hat mich, wie viel Alltagsnormalität und Selbstständigkeit den Bewohner*innen ermöglicht wird. Die Atmosphäre fühlte sich nach Zuhause an. Gleichzeitig spürt das Team auch hier deutlich den Fachkräftemangel – ein Problem, das viele Einrichtungen im Bezirk belastet. 

Würde am Lebensende im Friederike-Fliedner-Hospiz 

Bewegend war der Besuch im Friederike-Fliedner-Hospiz im Wedding. Dort werden unheilbar kranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase individuell, zugewandt und würdevoll begleitet. Die Offenheit, mit der das Team Tod und Trauer begegnet – ob in der Pflege, der Seelsorge oder bei der Erfüllung letzter Wünsche – hat mich nachhaltig beeindruckt. 

Pflege daheim: Die unsichtbare Mehrheit 

Der größte Teil der Pflege findet jedoch zuhause statt: Nahezu 5 Millionen Menschen in Deutschland werden von Angehörigen gepflegt. Für viele bedeutet das: Ständige Erreichbarkeit, kaum finanzielle Spielräume und wenig Zeit für sich selbst. Um pflegenden Familien eine Auszeit zu ermöglichen, gibt es Initiativen wie den Reisemaulwurf e.V.: Gründer André Scholz unterstützt Angehörige und Pflegebedürftige dabei, gemeinsam zu verreisen – ein wichtiger Beitrag, um Entlastung und Lebensqualität zu ermöglichen. 

Ich nehme aus diesem Tag viele Eindrücke mit, die mich tief berührt haben. Mein Dank gilt allen, die mir Einblicke in ihre Arbeit und ihren Alltag gewährt haben. Pflege verdient viel mehr politische Aufmerksamkeit – und viel mehr Wertschätzung im Alltag.